Hannoverscher Aero-Club e.V.
Ein Jahrhundert Luftsportgeschichte — von der Gründung 1921 auf der Vahrenwalder Heide bis zum Segelfluggelände Oppershausen von heute
Gründung und die ersten Höhenflüge
Am 11. März 1921 trafen sich, wie der Hannoversche Anzeiger zwei Tage später vermeldete, „eine größere Anzahl ehemaliger Flieger, Freunde und Förderer des Flugwesens“, um den Hannoverschen Verein für Flugwesen zu gründen. Mehr als 70 Mitglieder traten sofort bei – viele von ihnen Kriegsflieger, die nach dem Ersten Weltkrieg trotz allgemeiner Skepsis nicht vom Fliegen lassen wollten. Den Anstoß hatte der erste Rhön-Wettbewerb 1920 gegeben, bei dem sich mit „Fliegen ohne Motor“ eine ganz neue Disziplin ankündigte.
Am 20. April 1921 wurde im Haus der Väter in der Langen Laube die Satzung angenommen, die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte unter der Nummer 619. Den Vorsitz übernahm der Pour-le-Mérite-Flieger Walter Blume, zu seinen Mitstreitern zählten Arthur Martens, Eduard Voigt und Karl Ecke. Das Vereinsabzeichen entwarf Hans Löwensen. Schon am 3. Juli 1921 bewies der junge Verein, was er konnte: Beim Schaufliegen auf der Vahrenwalder Heide kamen über 25.000 Zuschauer, um Fallschirmabsprünge und Passagierflüge zu bestaunen.
Parallel dazu arbeiteten die Mitglieder Georg Madelung und Hermann Dorner an einem Segelflugzeug, das in der Hannoverschen Waggonfabrik gebaut wurde und den Namen „Vampyr“ erhielt – für seine Zeit eine bahnbrechende Konstruktion. Am 20. August 1921 bewies sie ihre Klasse auf der Wasserkuppe: Arthur Martens flog mit ihr zunächst 3.580 Meter, wenige Tage später 7.500 Meter in 15 Minuten und 40 Sekunden – Weltrekord. Ein Jahr darauf legte Friedrich Hentzen nach und kreiste über zwei, kurz darauf sogar über drei Stunden über der Wasserkuppe; dem Verein wurde dafür der mit 100.000 Mark dotierte Segelflugpreis des Verbandes Deutscher Luftfahrzeug-Industrieller zugesprochen.
Nach diesen frühen Triumphen wurde es unruhiger: 1924 verließen mit Blume, Hentzen und Madelung gleich mehrere prägende Mitglieder den Verein, 1926 geriet er durch die hohen Kosten eines neu angeschafften Motorflugzeugs in eine finanzielle und innere Krise – der damalige Vorsitzende Grenzebach schlug zweimal die Auflösung vor, die Mitgliederzahl schrumpfte auf 50. Erst 1927, unter dem neuen Vorsitzenden Prof. Julius Precht, gelang der Wiederaufbau. Am 18. Juni 1927 sorgten die amerikanischen Ozeanflieger Chamberlain und Levine für Aufsehen, als sie mit ihrer Maschine auf der Vahrenwalder Heide landeten.
Am 26. Januar 1928 schlossen sich der Hannoversche Verein für Flugwesen und die Ortsgruppe Hannover des „Ring der Flieger“ zusammen – der Hannoversche Aero-Club e.V. war geboren. Unter dem neuen Vorsitzenden Erich Homburg gewann der Verein prominente Mitglieder wie den Flugzeugkonstrukteur Dr. Hermann Dorner und den Ozeanflieger Hermann Köhl. 1929 sorgten die HAeC-Mitglieder Paul Rohr, Gerhard Rexhausen und Paul Tielecke mit einer ungeplanten Weltrekordfahrt für Schlagzeilen: Ihr Freiballon trieb von Bitterfeld aus über die Nordsee bis nach Schottland, 1.350 Kilometer weit. Am 21. November 1929 trat ein Mann dem Club bei, dessen Name bis heute mit Hannovers Luftfahrtgeschichte verbunden ist: Karl Jatho, dem am 18. August 1903 – fast vier Monate vor den Gebrüdern Wright – auf eben jener Vahrenwalder Heide der erste motorisierte Flug der Geschichte gelungen war, wenn auch nur 18 Meter weit und einen Meter hoch.
Die folgenden Jahre gehörten dem Segelflug: 1930 wurde der Freiballon „Hannover“ getauft, die Ith-Wiesen bei Eschershausen als neues Schulungsgelände entdeckt und mit der „Niedersachsen“ der erste vereinseigene Doppelsitzer gebaut. 1931 feierte der Club sein zehnjähriges Bestehen, auf dem Ith entstand eine eigene Flugzeughalle. Im Juli 1932 empfing der HAeC die berühmte Fliegerin Elly Beinhorn und ernannte sie zum Ehrenmitglied – ein Höhepunkt in einem Jahrzehnt, das mit Rekorden begonnen hatte und nun, während sich am politischen Horizont dunkle Wolken zusammenzogen, seinem abrupten Ende entgegenging.
Auflösung, Krieg und Neubeginn
Die politische Zäsur des Jahres 1933 traf den Hannoverschen Aero-Club mit voller Wucht. Im Zuge der „Gleichschaltung“ löste sich der Deutsche Luftfahrt-Verband auf, an seine Stelle trat der neu gegründete Deutsche Luftsportverband. Vereine und Ortsgruppen wurden angewiesen, sich in dessen Landesgruppen einzugliedern; für den HAeC übernahm der bisherige Vorsitzende Erich Homburg die Führung der neuen Landesgruppe Niedersachsen.
Am 7. Juni 1933 beschloss eine Mitgliederversammlung im „Königlichen Hof“ das Unausweichliche: die Auflösung des Hannoverschen Aero-Club e.V. Das Vereinsvermögen – eine Flugzeughalle auf dem Ith, sechs Segelflugzeuge, zwei Anteile an der Luftverkehrs-AG Niedersachsen und ein Freiballon – ging an die neue Ortsgruppe des Deutschen Luftsport-Verbandes über, die später vom nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) übernommen wurde.
Geflogen wurde dennoch weiter, wenn auch nicht mehr unter dem Namen und im Geiste des ursprünglichen Vereins. Auf dem Ith und auf der Vahrenwalder Heide ging der Schulungs- und Segelflugbetrieb unter der Regie des NSFK weiter; 1935 gewann der Hannoveraner Ernst Kennel beim 16. Rhön-Wettbewerb mit 215 Kilometern den Zielflugpreis, 1936 gelang erstmals ein Zielflug vom Ith zurück zur Vahrenwalder Heide. 1937 wurde die „Ortsgruppe Hannover“ vollständig in das NSFK eingegliedert, das fortan systematisch Nachwuchspiloten für die wieder aufgebaute Luftwaffe heranzog – der Segelflug war zum Vorbereitungsinstrument einer Diktatur geworden, die sich auf den Krieg vorbereitete.
Mit dem Kriegsende 1945 kam jede fliegerische Aktivität in Deutschland zum Erliegen. Es sollte fünf Jahre dauern, bis sich wieder etwas regte. Aus einer losen „Interessengemeinschaft Segelflug Hannover“ – ehemaligen Segel- und Motorfliegern, die den Krieg überlebt hatten – entstand am 8. September 1950 der neue Hannoversche Aero-Club e.V., am 4. Oktober 1950 beim Amtsgericht Hannover neu eingetragen. Von den sieben Gründungsmitgliedern dieser zweiten Stunde gehörten Karl Heinz Althaus, Otto Lesser und Hans Römer noch Jahrzehnte später zum Verein.
„Der alte HAeC war tot – seit 1933. Aber nicht der alte Fliegergeist, den er jenen vererbte, die nach ihm kamen.“
— Joachim Zühlke, langjähriger Fluglehrer, rückblickend in der Festschrift „40 Jahre HAeC“
Der Neuanfang war mühsam: Segel- und Motorflug blieben für Deutsche zunächst von den Alliierten untersagt, lediglich Modellflug und Freiballonfahrt waren wieder erlaubt. Über freundschaftliche, informelle Kontakte zu britischen Segelfliegern – trotz des offiziellen Verbots der „Fraternisation“ – fanden viele HAeC-Mitglieder an Wochenenden den Weg zu den „British Gliding Clubs“ in Pötzen bei Hameln oder auf dem Ith, zunächst nur als Zuschauer, bald auch als Gäste im Cockpit. Dieser leise, geduldige Wiederaufbau bildete das Fundament für das, was in den folgenden Jahrzehnten in Vahrenwald entstehen sollte.
Wiederaufbau in Vahrenwald
Der eigentliche Neustart des Hannoverschen Aero-Club nach dem Krieg lässt sich auf ein Datum festlegen: den 15. Juli 1951. An diesem Tag veranstalteten britische Segelflieger auf der Vahrenwalder Heide einen großen Flugtag, zu dem Tausende Zuschauer kamen. Eine „Meise“, ein „Grunau Baby“ und sogar ein Freiballon waren zu sehen – fliegen durften die deutschen Gäste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber allein eine Sitzprobe im Cockpit war, wie es in der Vereinschronik heißt, „schon ein halbes fliegerisches Erlebnis“. Dieser Tag gilt bis heute als eigentliche Wiedergeburt des HAeC.
Kurz darauf erhielt der Verein von der Stadt Hannover die – zunächst unverbindliche – Zusage, das zerbombte Grundstück an der Vahrenwalder Heide mit der alten Halle am Wasserturm wieder aufbauen zu dürfen. In zahllosen freiwilligen Arbeitsstunden entstanden Halle und Werkstatt neu, obwohl zunächst noch niemand wusste, wann wieder tatsächlich geflogen werden durfte. Ein aufgetauchter Schulgleiter SG 38, Baujahr 1943, „glich mehr einem Wrack als einem Flugzeug“ – aber er war ein Anfang.
1952 kam mit der Mü 13 (Kennzeichen D-6012) das erste eigene Nachkriegs-Segelflugzeug in den Verein, 1953 wurden Halle und drei getaufte Flugzeuge vor großem Publikum eingeweiht. Der Aufschwung hatte aber auch seinen Preis: Innerhalb weniger Monate verlor der Verein gleich zwei Mitglieder bei Flugunfällen, den befreundeten britischen Fluglehrer Hans Meyer und den englischen Segelflieger Les Heagerty. 1953 entstand außerdem das erste vereinseigene „Nachrichtenblatt“, aus dem später die Vereinszeitschrift „Luftsport“ hervorging. 1954 baute der Verein mit der „Baby IIb“ sein erstes eigenes Nachkriegs-Segelflugzeug im Selbstbau, und der neue Leistungssegler vom Typ L-Spatz erhielt von Olga Jatho, der Witwe Karl Jathos, den Namen „Karl-Jatho“. 1955 wurde eigens das Amt eines Präsidenten geschaffen, das Dr. Max Müller über Jahre prägen sollte.
Doch der Erfolg war nicht von Dauer: Die geplante Neugestaltung des Industrieviertels Vahrenheide bedeutete das endgültige Aus für die Vahrenwalder Heide als Fluggelände. 1957 begann der Abbau von Halle und Werkstatt, der Flugbetrieb musste auf fremde Plätze in Hildesheim und Celle-Arloh ausweichen – „Sonntag für Sonntag“, wie es in der Chronik heißt, mit spürbarem Frust, aber ungebrochenem Durchhaltewillen. Erst 1958 fand der Verein mit „Vahrenwald-Nord“ ein neues Gelände; am 6. September 1958 bestätigte ein Probestart von Hans Böttcher, dass hier künftig wieder regulär geflogen werden konnte. Bereits Ende des Jahres wurde Richtfest für eine neue Halle gefeiert, 1959 folgte die Einweihung. Der HAeC hatte, wie es damals hieß, „endlich wieder eine fliegerische Heimat gefunden“.
Die folgenden Jahre brachten sportliche Erfolge – 1960 nahm Hans Böttcher als erster Segelflieger aus Niedersachsen an einer Segelflug-Weltmeisterschaft teil –, aber auch neue Beschränkungen. Vahrenwald-Nord lag nah an einer belebten Verkehrsader, und Anfang der 1970er-Jahre nahmen die Pläne zur Verbreiterung der angrenzenden Autobahn konkrete Formen an; unter den Mitgliedern bildeten sich augenzwinkernd benannte Lager, die „Peiner“ und die „Anti-Peiner“, je nachdem, ob man auf einen Nachbarplatz auswich oder in Vahrenwald aushielt. Die Entscheidung fiel am 21. März 1975: Bei einem Windenstart riss eine Windböe das Schleppseil auf die angrenzende Autobahn und verursachte einen Unfall mit einem verletzten Autofahrer. Der Platz wurde gesperrt und erst im Mai 1975 mit der Auflage wiedereröffnet, künftig nur noch bei Westwind zu fliegen. Für die Segelflieger des HAeC war damit klar: Ein neues, sicheres Zuhause musste her – die Suche, die sie schließlich nach Oppershausen führen sollte, begann noch im selben Jahr.
Neuanfang in Oppershausen
Am Sonntag, dem 16. Mai 1976, nahmen die Segelflieger des HAeC endgültig Abschied von Hannover. Bei sonnigem, aber wehmütigem Wetter kreisten sie ein letztes Mal über der Stadt, gemeinsam mit Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg, Polizeipräsident Dr. Boge und Vertretern von Flughafen und Bauverwaltung. „Die stillen weißen Vögel ziehen von Hannover weg“, titelte die Hannoversche Allgemeine Zeitung am Folgetag.
Der damalige Vorsitzende Joachim Zühlke bestätigte, dass die rund 80 aktiven Segelflieger ihre Heimat nur schweren Herzens aufgaben – doch städtebauliche Zwänge, die Autobahnverbreiterung und die fehlende Sicherheit ließen keine andere Wahl. Gefunden hatten die Mitglieder ihr neues Gelände bereits Mitte 1975: ein rund 1.200 Meter langes Feld südöstlich von Celle, an der Straße von Oppershausen nach Lachendorf, mitten in der Lüneburger Heide. Der Weg dorthin war zäh – 26 Behörden und Institutionen mussten überzeugt werden, ehe der „Acker“ als Segelfluggelände zugelassen wurde, zunächst sogar ohne Erlaubnis für den Flugzeugschlepp. Noch 1975 wurden Strom- und Telefonleitungen verlegt, das Feld planiert und eingesät; eine ausgediente Holzhütte diente über den Winter 1975/76 als provisorische Flugleitung.
Das neue, gepachtete Gelände umfasste rund 55 Morgen und bot mit über 1.000 Metern eine deutlich großzügigere Schleppstrecke als Vahrenwald – bessere Ausklinkhöhen und ein leichterer Anschluss an die Thermik der Heide waren die Folge. Zunächst blieben Halle, Werkstatt und Klubhaus jedoch in Hannover, sodass die Flugzeuge mühsam zwischen Hannover und Oppershausen hin- und hertransportiert werden mussten. Dieser Pendelverkehr setzte dem Material so sehr zu, dass der Verein noch Ende 1976 den Bau einer eigenen Halle in Oppershausen beschloss.
Was folgte, ist bis heute eine der stolzesten Geschichten des Vereins: In nur 59 Tagen und mehr als 3.000 freiwilligen Arbeitsstunden stampften die Mitglieder eine Stahlflugzeughalle für zehn Segelflugzeuge aus dem Boden. Durch den enormen Eigenanteil kostete sie den Verein nur 75.000 statt veranschlagter 135.000 Mark; die Gesamtkosten für Platz und Halle betrugen rund 185.000 Mark, wovon die Stadt Hannover 50.000 Mark beisteuerte. Mitten in diese Aufbauphase fiel ein schwerer Verlust: Im Mai 1977 starb überraschend Hans Böttcher, der langjährige Präsident und Weltrekordflieger, dessen Initiative der Verein einst Vahrenwald-Nord und das Hannoveraner Clubhaus verdankte.
Am 20. Juli 1977 endete mit dem gebrauchten Motorsegler „SF 25 C-Falke“ die „motorlose“ Zeit des HAeC – fortan gehörte der gelb-rote Vogel zum vertrauten Bild über Oppershausen. Am 6. August 1977 feierte der Verein schließlich die offizielle Einweihung von Platz und Halle mit einem „Tag der offenen Tür“, zu dem auch der niedersächsische Minister für Wirtschaft und Verkehr anreiste.
„Die hannoverschen Segelflieger, die der Stadtplanung seit Kriegsende zweimal weichen mussten, sind nun ganz zuversichtlich, auf lange Sicht eine optimale Bleibe gefunden zu haben.“
— Hannoversche Allgemeine Zeitung, August 1977
Die neue Heimat wurde in den Folgejahren beständig weiterentwickelt: 1981 erhielt der Verein die Zulassung für einen Campingplatz auf dem Gelände, passend zum 60-jährigen Vereinsjubiläum. 1986 feierten die Mitglieder „10 Jahre Segelflugplatz Oppershausen“ mit Flugvorführungen, 1993 entstand eine Zwischenhalle für die wachsende Flotte.
Einen entscheidenden Ausbau erlebte der Platz 1994/95: Um bessere sportliche Bedingungen zu schaffen, verhandelte der Vorstand mit dem Verpächter Albrecht Knief über eine Verlängerung des Geländes im Osten um rund 100 Meter. Die Luftfahrtbehörde genehmigte die Erweiterung unter der naturschutzrechtlichen Auflage, einen 100 Meter breiten Randstreifen anzupflanzen – Knief half beim Pflügen, Einebnen und bei der Einsaat der neuen Fläche persönlich mit. Ab 1995 sorgten die größeren Schlepphöhen für einen spürbar leichteren Anschluss an die Thermik. Auch der Flugzeugpark modernisierte sich Schritt für Schritt: Kunststoff-Segelflugzeuge wie die „Club Libelle“ (1975) und die „Astir-CS-Jeans“ (1977) lösten allmählich die älteren, wartungsintensiveren Holz- und Stoff-Konstruktionen ab.
Parallel dazu blieb Hannover für den HAeC wichtig: Das Vereinsheim am Märkischen Weg in Hannover-Sahlkamp diente weiterhin als Sitz für Schulungsräume, Büro und Werkstätten – während sich der eigentliche Flugbetrieb rund 50 Kilometer entfernt, in der Ruhe der Lüneburger Heide, abspielte. Diese bis heute bestehende Zweiteilung zwischen Vereinssitz in Hannover und Fluggelände in Oppershausen wurde 1991 mit einer Doppelfeier zum 70-jährigen Bestehen des HAeC gewürdigt, 1996 mit dem 75-jährigen Jubiläum und einem weiteren „Tag der offenen Tür“ in Oppershausen. Aus einem gepachteten Acker war binnen zweier Jahrzehnte ein etabliertes, gut ausgebautes Segelfluggelände geworden.
Sanierung, Ausbau und ein Jubiläum unter besonderen Vorzeichen
Mit dem neuen Jahrtausend rückte neben dem Flugbetrieb zunehmend die Bausubstanz in den Fokus des Vereins. Von 2007 bis 2010 sanierte der HAeC in mehreren Bauabschnitten sein Vereinsgebäude am Märkischen Weg in Hannover-Sahlkamp: Ein alter Schornstein wurde abgerissen, das Dach neu abgedichtet, die Sanitäranlagen und die Modellbauwerkstatt grundlegend erneuert. Durch die Kooperation mit einem Investor ließ sich die aufwendige Sanierung des Hannoveraner Vereinsheims vergleichsweise kostengünstig realisieren.
Parallel investierte der Verein auch in Oppershausen kontinuierlich in seine Infrastruktur: Die Südboxen der Flugzeughalle erhielten eine Dachneueindeckung, die Toilettenanlage wurde saniert, ebenso Hallenvorfeld und Außenbeleuchtung – Projekte, die sich über viele Vorstandssitzungen und Jahresberichte hinweg zogen und stets von ehrenamtlichem Engagement getragen wurden.
Ein besonderer Höhepunkt dieser Jahre war das Jahr 2011, in dem der HAeC gleich doppelt feierte: „90 Jahre Luftsport in Hannover“. Am 7. Mai fand in Hannover ein großes Fest mit Modellflugvorführungen, Ballonstart, Infostand, Tombola und Flugsimulator statt – Höhepunkt war die Taufe zweier neuer Flugzeuge: Der neue Duo Discus XLT erhielt den Namen „Krys“, eine ASK 21 wurde auf den Namen „Flotwedel“ getauft, benannt nach der Standortgemeinde des Flugplatzes. Die Bürgermeister von Hannover und Flotwedel nahmen die Taufe gemeinsam vor. Am 13. Juni folgte dann ein „Tag der offenen Tür“ in Oppershausen selbst.
Fünf Jahre später, 2016, feierte der Verein erneut ein rundes Datum – „95 Jahre HAeC und 40 Jahre Flugplatz Oppershausen“ – wieder mit einem großen Flugplatzfest samt Gastflügen, Kunstflugvorführungen und der Unterstützung regionaler Sponsoren wie der Sparkasse Celle und ortsansässiger Unternehmen aus Lachendorf.
Der Verein wuchs in diesen zwei Jahrzehnten personell stetig weiter und wechselte mehrfach an der Spitze: Auf Dietmar Nowatschin als 1. Vorsitzenden folgte Bernd Lanzendörfer, der den Verein über mehrere Amtszeiten führte, dann Axel Fischer und schließlich – zum Ende des Jahrzehnts – Thorsten Keßler. Der Flugzeugpark wurde kontinuierlich modernisiert: Auf ältere Muster folgten leistungsfähigere Kunststoff-Segelflugzeuge wie Discus 2b und ASW 19, als Motorsegler kam mit der Super-Dimona HK 36 TTC ein deutlich leiseres und leistungsfähigeres Fluggerät hinzu, das bis heute im Einsatz ist. Sportlich blieb der Verein wettbewerbsfähig: Mitglieder wie Ernst-August Keßler und sein Sohn Per-Torsten flogen regelmäßig vordere Platzierungen bei niedersächsischen und deutschen Meisterschaften sowie im internationalen Online-Contest (OLC).
Der HAeC musste in diesen Jahren aber auch Abschied nehmen: Mit Jochen Zühlke, dem Vorsitzenden der Umzugsjahre und späteren Chronisten des Vereins, sowie mit langjährigen Mitgliedern wie Hans Ahlswede, der 63 Jahre dem Verein die Treue hielt, verlor der HAeC prägende Persönlichkeiten. Gleichzeitig blieb die Beziehung zu den Verpächtern des Flugplatzgeländes – allen voran zu Albrecht Knief, aber auch zu den Nachbarn Marwedel, Deecke, Santelmann, Severloh und Bahrs – ein wichtiger, oft auch mühsam austarierter roter Faden: Pachtverhandlungen, die Pflege von Randstreifen oder der Umgang mit Wildschäden erforderten immer wieder Verhandlungsgeschick und Geduld auf beiden Seiten.
Ein rundes Jubiläum stand dann für 2021 auf dem Plan: Genau 100 Jahre nach dem Schaufliegen auf der Vahrenwalder Heide am 3. Juli 1921 wollte der Verein sein 100-jähriges Bestehen feiern. Doch die Corona-Pandemie machte diesen Plan zunichte – ein großes Fest war 2021 schlicht nicht durchführbar. Der Vorstand verschob die Feierlichkeiten kurzerhand auf das Folgejahr, plante parallel aber schon die Zukunft der Flotte: Mit der Flottenplanung 2021/22 beschloss die Mitgliederversammlung, in einen neuen Discus BT sowie einen Arcus T zu investieren – ein Bekenntnis zur Zukunft des Leistungssegelflugs am Standort Oppershausen, gerade als das Vereinsleben rundherum pandemiebedingt stillstand.
Jubiläum und Gegenwart
Was 2021 der Pandemie zum Opfer fiel, wurde 2022 nachgeholt – gleich in doppelter Ausführung. Am 2. Juli 2022 feierte der Hannoversche Aero-Club sein 100-jähriges Bestehen auf dem historischen Vereinsgelände in Hannover-Sahlkamp, am 10. September 2022 folgte ein großer Gastflugtag auf dem Segelfluggelände in Oppershausen.
Der damalige 1. Vorsitzende Thorsten Keßler beschrieb die Hannoveraner Feier tags darauf in einer E-Mail an die Mitglieder mit spürbarer Freude:
„Als am Samstagmorgen um 8 Uhr der blaue Himmel leuchtete und sicherlich 50 Helfer auf dem Platz standen, um die Veranstaltung ‚zu rocken‘, waren meine letzten Zweifel verflogen.“
— Thorsten Keßler, 1. Vorsitzender, 4. Juli 2022
Simulator, ein Lehrer-Schüler-Fliegen, der Bau und Flug von Balsa-Gleitern, Hüpfburg und Tombola kamen bei den Gästen gut an, doch das eigentliche Highlight waren die Flüge des historischen Schulgleiters, die noch lange in Erinnerung bleiben sollten. Moderiert wurde der Tag von „Opa“ Thies vom Oldtimer-Segelflug-Club Wasserkuppe. Die Krönung des Jubiläumswochenendes lieferten schließlich die eigenen Ligapiloten: Am Sonntag darauf flogen sie gleich zwei Strecken mit 117 km/h Schnittgeschwindigkeit und übernahmen damit die Tabellenführung in der Bundesliga.
Beim Gastflugtag in Oppershausen im September würdigte der Verein bewusst auch jene, ohne die es diesen Flugplatz nicht gäbe: Die Verpächter Albrecht Knief, Hendrik Marwedel und Rolf Deecke wurden ebenso eingeladen wie die Bürgermeister der Standortgemeinden Hannover, Flotwedel und Lachendorf – eine späte, aber verdiente Anerkennung einer Nachbarschaft, die seit fast einem halben Jahrhundert den Flugbetrieb in der Lüneburger Heide erst ermöglicht.
Heute ist der Hannoversche Aero-Club die fliegerische Heimat von rund 150 Mitgliedern, die sich auf die Sparten Segelflug und Modellflug verteilen. Der Vereinssitz mit Schulungsräumen, Büro und Werkstätten liegt nach wie vor in Hannover-Sahlkamp, südlich der Silberseebrücke – nur wenige hundert Meter von jener Vahrenwalder Heide entfernt, auf der 1921 alles begann. Der eigentliche Flugbetrieb findet, gut 50 Kilometer entfernt, weiterhin auf dem Segelfluggelände Wienhausen-Oppershausen statt: mit einem modernen, komplett FLARM-ausgerüsteten Flugzeugpark aus ASK 21, ASK 23, Ka 6E und ASW 19 für die Ausbildung sowie Duo XLT, Duo Discus, LS8 und Discus 2b für Platz- und Leistungsflüge, dazu dem Motorsegler Dimona HK 36 TTC für den Flugzeugschlepp und die motorisierte Ausbildung. Ein Campingplatz im Wald lädt die Mitglieder bis heute zum Bleiben übers Wochenende ein.
Am 22. August 2026 schließt sich ein weiterer Kreis: Genau 50 Jahre nach der Ankunft in der Heide feiert der HAeC „50 Jahre Flugplatz Oppershausen“ – mit Gastflügen im Segelflugzeug, Kunstflugshows, Modellflugvorführungen und einem Familienprogramm aus Hüpfburg, Kinderschminken und Tombola, bei freiem Eintritt für alle Gäste.
Es ist ein Fest, das die ganze Geschichte dieses Kapitels der Vereinschronik in sich trägt: den erzwungenen Abschied von Hannover 1976, die 3.000 freiwilligen Arbeitsstunden, mit denen aus einem Acker ein Flugplatz wurde, und den bis heute ungebrochenen Gemeinschaftssinn, der den Hannoverschen Aero-Club seit mehr als hundert Jahren trägt – vom ersten Schaufliegen auf der Vahrenwalder Heide 1921 bis zu den Thermikschläuchen über der Lüneburger Heide im Jahr 2026.

